Von fliegenden DVD-Playern und zu schnellen Autos

Es klingt zugegebenermaßen ein bisschen merkwürdig, aber folgende Geschichte beinhaltet tatsächlich einen fliegenden DVD-Player. In einem Bus. Mit einer Kopflandung. Aber alles der Reihe nach.

Maun in Botsuana ist ein wunderschönes, aber ohne Auto und Reisepartner eher ruhiges und überschaubares Plätzchen. Eine kleine Bootstour am nahe gelegenen Sambesi-River und ein wackeliger Rundflug über das Okawango-Delta lenken zwar erst einmal mit einer sehr grünen und tierreichen Landschaft ab, verdrängen aber keinesfalls die immer stärker werdende Langeweile.

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Die Lösung: Ein kleiner Ortswechsel. Das Ziel: Livingstone, Sambia, nahe der Victoria Falls. Laut Google Maps sind das um die 650 Kilometer und rund neuneinhalb Stunden Fahrzeit die man einplanen sollte. Das Problem: Das besagte nicht vorhandene Auto. Aber mit drei Taxi- und zwei Bustouren sowie einer Fährefahrt erreicht man sein Ziel am Ende natürlich auch.

Der erste Bus versprach viel Beinfreiheit, leere Sitzplätze und einen separaten Stauraum für alle mitgehführten Gepäckstücke. Ein Luxus auf den man häufig verzichten muss, wenn man ruckelnd über die unebenen Straßen holpert. An diesem Tag war ich besonders stolz auf meine nächtelang ausgetüftelte Methode, den 22 Kilogramm schweren Rucksack gekonnt aussehend wie nur möglich auf meinen Rücken zu schwingen. Mit einem gewissen Einfühlungsvemögen könnte man die Prozedur vermutlich noch etwas eleganter aussehen lassen, allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass ich in dieser Beziehung mit einer fahrlässigen Grobmotorigkeit ausgestattet wurde. Die „Backpack-auf-den-Rücken-Schleudermethode“ hatte jedenfalls den ungemeinen Vorteil, dass man zu jeder denkbaren Zeit gehen konnte, wann immer man wollte. Ohne fremde Hilfe. Ganz alleine. Niemand der den Rucksack halten muss, sodass man mit den Armen durch die Tragegurte schlüpfen kann. Ein neues Gefühl von Selbstständigkeit, wie ein Kind dass es zum ersten Mal alleine schafft, den Reißverschluss der Jacke zuzuziehen. Nach einer halben Fahrtstunde musste ich meine Methode gezwungenermaßen einem Selbsttest unterziehen, denn zu diesem Zeitpunkt folgte ein prompter Stopp und alle Insassen mussten bei gefühlten 40 Grad Celsius in der prallen Sonne aussteigen und die eigene Tasche aus Luke fischen. Im Gänsemarsch trudelten alle der Reihe nach bei der ersten amtlichen Gepäckkontrolle des Tages ein. Da weder meine Mitfahrkollgen noch ich Elfenbein oder sonstige tierische Produkte zu schmuggeln versuchten, konnte alles und jedermann wieder zurück in die überhitzte Blechkiste.  Ein Kraftakt in kurzer Zeit, der die Schweißdrüsen auf Hochtouren laufen und mich zufrieden über meine neugewonnene Fähigkeit in den Sitz fallen ließ. Test erfolgreich bestanden.

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Die Tankstelle an der wir später ohne Fahrplan umsteigen sollten, wurde zu einer regelrechten Geduldsprobe. Minuten um Minuten verstrichen und einige Autofahrer witterten bereits ein erfolgsversprechendes Geschäft, uns als zahlende Kundschaft gewinnen zu können. Als Bus Nummer zwei (ohne Beinfreiheit und separaten Stauraum) irgendwann aus dem Nichts auftauchte und seine Türen öffnete, wurde es zur logistischen Meisterleistung den 22-Kilo-Koloss in den schmalen Gang einzubauen. Er versperrte zwar komplett den Durchgang, fungierte aber immerhin als instabile Sitzgelegenheit für müde Stehplatzpassagiere. Nach kurzer Zeit kam dann auch der fliegende DVD-Player ins Spiel. Ich kann nur sagen: Er fühlte sich auf dem Kopf nicht so an, wie man sich vielleicht einen DVD-Player auf der Schädeldecke vorstellen würde. Streng genommen hatte ich mir vorher aber auch noch nie Gedanken über die Wucht eines solchen Aufpralls gemacht. Jedenfalls war ich im ersten Moment der Meinung, es waren Eisenstäbe (Zeltstangen?) die mir auf mein limbisches System fielen. Durch den Platzmangel hatte ein Mann wohl versucht, sein Fernsehequiment oberhalb der Sitzreihen in einer seitlichen Mini-Nische einzupferchen. Und ganz offensichtlich hielt es nicht wie gedacht, denn es donnerte mit einem lauten Knall bereits nach der ersten Kurve aus dem Fach. Für einen Moment wurde mir die Aufmerksamkeit der kompletten Anwesenden zuteil und alle aufgeregten Gesichter warteten gespannt auf meine Reaktion. Das muss als Außenstehender ziemlich interessant ausgesehen haben, vor allem wenn man von Gegenständen in einen Überraschungsangriff angefallen wird und die Gefahr nicht kommen sieht. Ich glaube, ich war im ersten Moment viel zu sehr damit beschäftigt zu überlegen, was wohl in der Tasche war, als über mögliche Verletzungen zu spekulieren. Und außer einer Beule blieb das Köpfchen glücklicherweise auch unversehrt. Haare sei Dank.

Entschädigt wurde die fortgesetzte Fahrt übrigens durch seltene schwarze Elefanten am Straßenrand und einem angenehmen Wind durch das offene Fenster. Das geplante Ziel erreichten wir unfallfrei, mit Garantie auf viel Wasser.

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PS: Die Rückfahrt beinhaltete einen Raser hinterm Lenkrad der es liebte, über große Schlaglöcher zu poltern. Das kann in den meisten Fällen zu einem platten Reifen führen oder aber auch lebensrettend wirken, wenn zuvor ein wildgewordener Dickhäuter die Karosserie zerquetschen will. Wahlweise auch zu beidem. Das aber, liebe Kinder, ist eine andere Geschichte.

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3 Gedanken zu “Von fliegenden DVD-Playern und zu schnellen Autos

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