Up in the air

Swakopmund hat zwei Gesichter. Wenn man Glück hat, dann begegnet man einer alten freundlichen Dame die gewissenhaft und freundlich ihr Köpfchen neigt und deren blaue Augen unter der strahlenden Sonne glitzern. Wenn man allerdings Pech hat, dann begegnet man einer alten faltigen Fratze die ihren endlosen grauen Schleier hinter sich im bitterkalten Wind flattern lässt.

Bei unserem ersten Besuch vor einigen Wochen hatten wir ganz klar Pech und bekamen bereits auf der Nachtzugfahrt die volle Bandbreite davon zu spüren. Bitterkalt war es in unserem Abteil. Das Fenster war kaputt, die Tür konnte man nur zur Hälfte schließen und die Atmosphäre erinnerte eher an eine Gefängniszelle als an eine gemütliche Fahrt ans Meer. Eine pubertäre Schulklasse verpflegte uns mit Partymusik in voller Lautstärke und spätestens nach dem Versuch, sich mit einem viel zu kleinen viereckigen Halstüchlein zu wärmen, wusste man plötzlich auch warum alle anderen Passagiere so dicke kuschelige Decken bei sich hatten. Müde und ausgefroren kamen wir früh morgens nach elf Stunden Fahrt im grauen Swakopmund an. Begeistert war ich an diesem Wochenende von dem deutschen Städtchen ganz und gar nicht. Ob „deutsche Backwaren“, „altes Rathaus“ oder ein einfacher „Buchladen“ – Das Wetter und die Sprache waren mir zu deutsch. Würde man nicht wissen dass man sich im südlichen Afrika befindet, hätte es auch ein netter Wochenendeausflug an die Nordsee sein können.

Bei unserem letzten Besuch packten wir also unseren Rucksack mit bedacht und waren entsprechend gut ausgerüstet. Wie auf einer Expeditionsreise in die Arktis kamen wir mit Sack und Pack in unserem Abteil an. Ein dicker Schlafsack, flauschige Socken und ein warmer Fleecepullover. Mit Musik im Ohr, Wind in den Haaren und einem unbeschreiblichen Sternenhimmel konnte man dieses Mal sogar liegend und eingekuschelt die vorbeirauschenden Lichter der Stadt genießen. Zwar war Swakopmund immer noch genauso „deutsch“ wie vorher, doch mit Sonnenschein über dem Ozean und einem warmen Gefühl auf der Haut wurden die Karten noch einmal neu gemischt.

Ein bisschen hatte vielleicht aber auch folgendes dazu beigetragen:

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Ein Fallschirmsprung. Es ist fast ein bisschen wie mit dem Haare abschneiden: Wenn man es nie macht, wird man auch nie wissen wie es letztenendes ist. Zu meiner Überraschung war ich vom Anfang bis zum Ende tiefenentspannt. Nicht einmal das Unterzeichnen des Formulars für den Fall dass etwas passieren sollte machte mich nervös. In einem grün-gelben Ninja-Turtel Kostümchen ging es relativ zügig mit einer Propellermaschine hinauf in luftige 3000 Meter Höhe. Bereits dort war die Aussicht der absolute wahnsinn: Die vielen Sanddünen die direkt mit dem Meer verschmolzen, die vereinzelt silber glänzende Hütten und Häuser und natürlich der endlos erscheinende blaue Horizont. Ein seltsames Gefühl wenn man dann plötzlich hinabstürzt und dabei gefühlte 10.000 Saltos in der Luft schlägt. Komischerweise kam mir sofort das Bild von Felix Baumgartner in den Kopf, wie er damals bei seinem Stratosphärensprung kurzzeitig die Kontrolle verlor und wie wild in der Luft taumelte. So muss sich das also angefühlt haben. Nur eben aus einer 36.000 Meter geringeren Distanz. Nachdem wir uns wieder in einer geraden Position gefangen hatten, konnte man die Aussicht noch einmal mit dem Gefühl eines Vogels genießen und dabei mit dem Fallschirmspringer ein kleines Pläuschchen halten. Allerdings wird meine Antwort auf die Frage: „Do you like rollercoaster?“ beim nächsten Mal mit „no“ beantwortet, denn für zartbesaitete Mägen ist das die wohl denkbar schechteste Variante um auf direktem Weg wieder Boden unter den Füßen zu spüren.

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