Anstrengkater

Ein Wort um das Waterberg-Wochenende zu beschreiben? Anstrengend. Oder vielleicht auch einfach nur Muskelkater. So richtig kann ich mich dieses Mal nicht für ein einziges Wort entschieden. Sagen wir also Muskelengend. Oder Anstrengkater.

Auf jeden Fall zähle ich nicht unbedingt zu den Sportskanonen mit dem ausgiebigen Maß an Ausdauer und verarbeite entsprechend einen 20 Kilometer Marsch in gnadenloser Mittagssonne schlechter als andere. Physisch gesehen gewinnt hier das Wort Muskelkater.

Auf vielen kleinen und großen, festen und wackeligen Steinen mussten wir (zehn Kletterer und ein Guide an der Zahl) auf den rund 1700 Meter hohen Waterberg krachseln. Man sollte allerdings erwähnen, dass die Aussicht bereits von der Mitte des steinigen Bergs überragend war. Man konnte kilometerweit die vielen Büsche, Bäume und Straßen von oben aus beobachten. Und das war eine rießengroße Belohnung, denn die kommenden Stunden waren ziemlich anstrengend und am Ende auch ein wenig kräftezehrend. Sand- und ungleichmäßiger Steinboden, teilweise gerade und teilweise hügelige Strecken sind mit bruzelnder Sonne ein gutes Stück Arbeit.

Ziel des Ganzen war uebrigens das Sichten eines Büffels oder Nashorns. Live und in freier Wildbahn. Dazu muss man sich einen Guide mit Hut und Rucksack vorstellen, der auf englisch in etwa sagt: „Wenn ihr ein Nashorn seht, dann schmeißt die Rucksäcke weg und rennt!!!!! Rennt und klettert auf Bäume!!!“ Ich glaube am Ende war ich unendlich dankbar, weder ein Nashorn, noch einen Büffel gesehen zu haben. Denn meine Beine wären am Ende des Tages wohl zu keinem Überlebenssprint mehr bereit gewesen.

Dafür freute sich der Körper nach einem konzentrierten Abstieg auf eine prickelnde Cola mit Eiswürfeln, auf die Kartoffeln mit Sour Cream und eine heiße Dusche, die gefühlt wieder alle Zellen aufpeppelte. Allerdings ließen der Muskelkater, eine Blase links und rechts am Ballen am nächsten Morgen grüßen. Aber man soll ja nicht alles schlecht reden. Ein klarer Ausblick wie dieser, kann mit sicherer Wahrscheinlichkeit erst einmal nicht übertroffen werden und natürlich ist es auch geschichtlich ein sehr interessanter Ort.

Anfang des 20. Jahrhunderts kesselten die deutschen Truppen um Lothar von Trotha die Hereros am Waterberg ein. Nach ihrer darauffolgenden Flucht in die Wüste, ließ Trotha an jeder Wasserstelle Soldaten aufstellen und orderte den Befehl, alle zu erschießen oder zurück zu ihrem Stamm zu schicken, die sich dem Ganzen nähern sollten. Dabei sind mehrere Tausend Hereros qualvoll verdurstet. Soldaten berichteten im Nachhinein, dass die Leichen um metertiefe Löcher lagen. Vermutlich hatten sie dort versucht nach dem kostbaren Nass zu Graben. Von seitens der Deutschen waren übrigens vergleichsweise wenig Männer zu beklagen – 28 an der Zahl fanden hier ihren Tod.

Gelernt:
#Lektion 3: Dich attackiert ein Nashorn? No problem. Jump on a tree!

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